• rmusoni

DEAR KAREN

Aktualisiert: 18. März

Erinnerst Du Dich an das hier ▪️? Auch daran, was es mit diesem schwarzen Quadrat in 2020 auf sich hatte? Nun, wenn nicht, bist Du hier genau richtig. In diesem Artikel geht es um dieses mysteriöse Kästchen, warum Karen gestoppt werden muss und mehr.


Fotos: Oliver Petek

Warum teilte gefühlt jeder Instagram Nutzer 2020 ein schwarzes Quadrat? Das Kästchen machte auf eine Aktion aufmerksam, die vor allem über den Hashtag #blackouttuesday kommuniziert wurde. Es handelte sich um eine Geste der Anteilnahme. Wofür? Nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd bildeten sich internationale Proteste und Demonstrationen gegen Polizeigewalt, Rassismus und soziale Ungerechtigkeit. Die Anteilnahme galt allen Betroffenen.


Polizeigewalt gegenüber People Of Color existiert hier in Deutschland (Gott sei Dank) nicht im gleichen Ausmaß wie in den USA. Doch sie existiert. PoC in Deutschland erfahren Rassismus, Diskriminierung und soziale Ungerechtigkeit auf täglicher Basis in der Schule, an der Uni, am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche, beim Einkaufen, in der S-Bahn und bis hin zu ihren eigenen Wohnräumen am Fernseher- oder Smartphone-Bildschirm.


Nun sind die schwarzen Kästchen von der Bildschirmfläche verschwunden und von #BlackLivesMatter redet in den sozialen Medien kaum einer mehr. Warum melde ich mich also mit einem gesonderten Beitrag? Einerseits, weil ich, wie man an meinen Bildern unschwer erkennen kann, Teil der PoC Community bin. Andererseits, weil ich die Anteilnahme vieler während des Black Lives Matter Movements zwar zu schätzen weiß, jedoch das Leben vieler Schwarzer schon davor und auch nach der Bewegung durch Alltagsrassismus noch immer erschwert wird.




Den Titel „Dear Karen“ habe ich bewusst gewählt, weil die Persönlichkeit einer Karen Teil des Problems ist. Solltest Du Karen online oder offline noch nicht begegnet sein, hier eine kurze Definition: Als Karen wird eine weibliche, weisse Person bezeichnet, die sich ihrer weissen Privilegien sicher ist und diese bewusst zunutze macht, wann immer sie ihren Willen durchsetzten möchte, obgleich sie im Unrecht ist. Auffällig dabei ist, dass sie sich gegenüber PoC ganz offensichtlich rassistisch und abwertend verhält. Mit ihren bodenlos schlechten Schauspielkünsten schlüpft sie gerne in die Rolle des Opfers und versucht, die Öffentlichkeit in den Glauben zusetzten, dass die andere Person (PoC) eine Gefahr für sie darstellt. Dass ihr diskriminierendes Verhalten berechtigt sei, sie unschuldig oder „nur besorgt“ sei.


Durch virale Videos, in denen diese typischen Verhaltensweisen einer Karen deutlich werden, ist diesem Verhalten (und typischen Look) einen Namen gegeben worden und die Abneigung gegenüber diesem Stereotyp (nicht gegenüber den Namen!) für viele PoC gewachsen. Hier ist eine kleine Sammlung von klassischen Karen-Wildin’-Out-Szenarien. Doch der Preis für die beste Performance geht an #VictoriaSecretKaren das Video dazu findest Du hier.




Es enttäuscht mich, dass Menschen, die Ungerechtigkeit erfahren, erst dann gehört werden, wenn der Vorfall per Video dokumentiert wurde und viral durch die Medien geht, oder wenn es gar zu spät ist und sie nicht mehr unter uns weilen. Menschen, die aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft, Religion oder Sexualität verachtet, verfolgt, gefoltert und getötet werden. That needs to stop.


Karen ist ein schöner Name, doch diese Meme Karens und Kens, müssen einen Blick über ihre privilegierten Bubbles hinauswerfen und für ihr Verhalten die Verantwortung tragen. In einigen Fällen kommt es sogar vor. Leider erfolgen Entschuldigungen oft nur dann, wenn sie den Druck der Öffentlichkeit spüren und den Konsequenzen fürchten (und ihnen ein öffentliches Statement als geringeres Übel erscheint). Damit Rassismus ein Ding der Vergangenheit werden kann, müssen die Menschen, die rassistisches Gedankengut pflegen und dementsprechend handeln, zur Rechenschaft gezogen und weiter aufgeklärt werden. Anti-Racism Educatur Jane Elliot geht mit ihrem „Blue Eyed“ Experiment als gutes Beispiel voran. Was ich an ihr besonders mag, ist ihre schonungslose Art, Karens einen Realitäts-Check zu unterziehen. Ein Beispiel dafür findest Du hier.


Aussagen wie „Ich sehe keine Farbe“ sind genauso ignorant, weil sie die Kultur der PoC bestreiten. Was meine ich damit? Menschen, die den Satz „Ich sehe keine Farbe“ verwenden, möchten damit erklären, dass sie keine Vorurteile haben und Vielfalt sogar begrüßen. Das verstehe ich. Was viele Menschen jedoch nicht verstehen, ist, dass das Mantra für Bemühungen um Vielfalt und Inklusion ziemlich problematisch ist. Die Idee, die Hautfarbe nicht zu sehen, ist theoretisch schön, aber in Wirklichkeit ist sie ungenau. Jeder, der sehen kann, kann eine Hautfarbe von der anderen unterscheiden und erkennen. Zu sagen, dass sie keine Farbe sehen, trägt immer einen negativen Beigeschmack. Denn wie kann etwas toleriert und inkludiert werden, wenn man glaubt, es nicht zu sehen?




Ich will, dass Du meine Farbe siehst, denn sie ist ein Teil von mir. Jedoch will ich nicht, dass Dir meine Farbe, nur weil sie nicht Deiner eigenen entspricht, als Berechtigung dient, mir meine Rechte zu nehmen, mich zu beleidigen oder ungerecht zu behandeln. Denn es gibt kein richtig oder falsch. Jeder Mensch ist gut, genauso wie er aussieht, genauso wie er liebt und schlichtweg wie er/sie/they ist/sind.


Lots of love and energy

- Rosie